Hoch über Münster. Tief in der Materie.
Zehn
Montag, 07. Dezember 2009
Die zeitspringer sind dieses Jahr zehn Jahre alt geworden. Schön wäre es, wenn ich an dieser Stelle von den Anfängen im Keller der Agenta Werbeagentur an der Annette-Allee berichten könnte, aber ach, ich selbst gehe gerade erst auf meine siebenjährige Angehörigkeit zu. Da fehlen mir die entscheidenden 30 Prozent.
Aber meine Anfänge waren auch schon ganz gut. Allein ein vergleichender Blick auf die Browser-Welt im Februar 2003 und die von heute lässt mir einen kalten Schauer den Rücken herunter laufen. Wir haben damals tatsächlich noch für ein Monstrum namens Netscape 4.7 entwickelt. Schlimmer noch, dieser Browser nistet nach wie vor in den Untiefen meines Dateisystems.
Von Cascading Style Sheets wollte da noch niemand so wirklich was wissen, getwittert wurde nicht, und die einzige Online-Community, der ich angehörte, war die Foto-Community - ich hatte sogar noch eine fünfstellige Mitgliedsnummer, heute gehen die Accounts wohl in die Millionen.
Homepages wurden noch mit Tabellenlayouts gestaltet, und diese Layouts sahen nach mehrstündiger Arbeit dann in verschiedenen Browsern auch verschieden aus. Übrigens: der Microsoft Internet Explorer ist einem Großteil seiner Fehler aus der damaligen Version bis heute treu geblieben!
Heute hält Video auf oberster Ebene Einzug in die Web-Standards, HTML 5 wird eigene Tags dafür enthalten. Das ist in sofern amüsant, wenn man bedenkt, dass das "T" in "HTML" für "Text" steht...
Als ich bei den zeitspringern loslegte, hatte ich noch einen MP3-Player in Stick-Form mit gigantischen 512 Megabyte speicher. Bald kam dann der iPod mit Festplatte, und heute ist mir egal, wieviel Speicher mein iPhone hat, da ich meine gesamte Musikbibliothek von zuhause streamen kann.
Ich bremse mich jetzt mal, mit derartigen Vergleichen könnte ich noch Stunden weitermachen. Es bleibt abzuwarten, was ich dann 2017 zu berichten habe - sicher ist nur, dass mein Sohn dann in die dritte Klasse gehen wird.
Eigentlich wollte ich diesen Eintrag ja lästernd beginnen, Inhalt der Schmähung sollte der lächerliche Name einer Bistro-Kette sein, die unlängst in Münster aufgetaucht ist. Aber das wurde im Montagsmeeting abgeschmettert, da mir nicht klar war, dass es sich um eine Kette handelt und der Witz daher jäh zuende sein könnte, da Menschen aus anderen Städten ihn vielleicht schon kennen. Ich las diesen Namen jedenfalls erstmalig in einem Clever & Smart Heft, vermutlich 1993. Und da war er schon einer der schlechteren Witze. Obwohl ich seinerzeit schon die Comicvorlage lebte, indem ich viele Sätze einfach mit "und..." beendete, und ...
Backen Sie uns doch stattdessen einen Kuchen zum Jubiläum. Auch das geht heutzutage online, und zwar hier.
Normalzeit
Dienstag, 27. Oktober 2009
Im letzten Eintrag hatte ich dazu aufgefordert, sich ein lustiges Gesicht zu basteln. Wohl nicht nur deswegen haben das einige getan, eine fünfstellige Zahl geisterte hier kürzlich durch den Raum.
In der Zwischenzeit geht die Krimi-Couch-Interview-Saison wieder los: Gleich drei Termine stehen in Kürze an, dazu werden Hamburg und Köln bereist. Und auch auf der Kinderbuch-Couch steht ein neues Videointerview an, da wird schon am Donnerstag auf der roten Agentur-Couch gedreht.
Zudem ist die erste Episode des LVM-Podcast abgedreht, so langsam sollte ich meinen Büro- gegen einen Regiestuhl tauschen, glaube ich. Und ein Stern auf dem noch einzurichtenden Walk of Fame auf der schönen Hafenmeile. Bis später!
Rückmeldung
Donnerstag, 17. September 2009
Und da ist es passiert. Kaum schien Regelmäßigkeit in die Abfolge und Wiederkehr der hiesigen Blogeinträge geraten zu sein, war es auch schon vorbei. Wie konnte das geschehen?
Sie dürfen sich beruhigt zurücklehnen: es gibt einen guten Grund. Er heißt Julius, ist der Sohn des Chronisten und wurde zuletzt vergnügt giggelnd in seinem Badeeimer gesehen (den er zwischenzeitlich wahrscheinlich unter Protest wieder verlassen musste).
Doch auch bei den zeitspringern dreht sich die Welt munter weiter, Video ist immer noch ein großes Thema, und schon nächste Woche sehen wir uns vielleicht beim Forum 3.1 auf Gut Havichshorst.
Bis dahin basteln Sie sich doch noch ein lustiges Gesicht.
Grimme!
Donnerstag, 25. Juni 2009
Die Krimi-Couch hat ihn! Den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung! Da freuen wir uns, und wenn ich die Begründung der Jury lese, freue ich mich sogar noch ein bisschen mehr, denn dort heißt es unter anderem:
"Neben Buchbesprechungen und Autorenporträts sind es insbesondere die professionell produzierten Video-Interviews und Podcasts mit ihren Krimi-Tipps, die voll ins Schwarze treffen."
Also auch einen freundschaftlichen Klapps für den iMac hier links vor mir, der mir beim Videos schneiden noch nie abgestürzt ist, und für die gute Kamera, die mir die Schulter noch nie mehr als nötig schmerzte :)
Endlich!
Montag, 15. Juni 2009
Am Wochenende war Hafenfest. Die Heimat der zeitspringer also im Mittelpunkt der Partygesellschaft, angeführt von den rheinischen Frohnaturen von Brings, die sich auf der Bühne allerdings eher wie AC/DC aufführten - insbesondere Gitarrist Harry Alfter gab zwischenzeitlich den perfekten Angus Young.
Die Agentur war in dieser Zeit gründlich verschlossen. Grund dafür waren gewisse "Eigenheiten" unseres Türschlosses; wer kann schon damit rechnen, dass die Tür, sobald von innen ein Schlüssel steckt, von außen nicht mehr zu öffnen ist, so, als sei sie abgeschlossen?
So oder so ähnlich schloss sich jedenfalls David aus der Agentur aus, aber damit nicht genug, am Sonntag entschloss sich die Reinigungskraft ob des innen steckenden Schlüssels, die Tür mit Polizei und Feuerwehr aufbrechen zu lassen, vermutete man doch einen Mensch in Notsituation hinter der Tür.
Erstmals konnte daher heute morgen vor Dienstbeginn der Schlüssel zur Agentur bei der nächsten Polizeiwache abgeholt werden...
Am Freitag zeichneten wir ein neues Interview für die Kochbuch-Couch auf - Bianca Killmann stand im Restaurant Bliss in Essen Rede und Antwort zu ihrer Reihe "Kulinarisches Kabinett" - in Kürze online.
Zum Schluss nochmal eine kurze Beobachtung von den Mega Lights entlang meines Fußwegs: Nachdem ein gewisser Bär kürzlich auf die Toilettenpapierpackung einer anderen, etablierten Marke umgezogen ist, scheint dies nun der Moment zu sein, auf den eine andere Marke - bisher bekannt als Synonym für Taschentücher - gewartet hat. "Endlich", kündigt sie von Plakaten, gebe es nun auch Klopapier aus eigener Produktion. Dazu hüpft eine junge Frau durchs Bild. Ich schätze sie auf Anfang 30. Es tut mir leid, aber ich frage mich doch, was die Dame gemacht hat, bevor ihre Lieblingstaschentuchmarke auch Klopapier im Sortiment hatte ...
Auf bald ...
Hollywood im Konfi
Dienstag, 26. Mai 2009
Zwischen all seinen Verpflichtungen digitaler Art habe ich David eine Viertelstunde von der Erfüllung sämtlicher Kundenwünsche abhalten müssen. Der Grund?
Für die neue Version unseres zeitspringer Werbe-Creators galt es, in einem kurzen Video zu zeigen, wie einfach und gut das Toll funktioniert.
Als prominenten Gast-Star hatte ich zuvor ein MacBook eingeladen, dass sich bereits drahtlos in unsere Netze geklinkt und auch zu seiner Maus verbunden hatte und nur darauf wartete, von David beherrscht zu werden.
Das Ergebnis unserer Bemühungen finden Sie hier.
Investieren Sie in Eis
Mittwoch, 20. Mai 2009
Meinen Weg zur Arbeit erledige ich gern gediegen zu Fuß. Dabei führt mich mein Weg durch ein Nadelöhr der münsteraner Infrastruktur, wo - baustellenbedingt - derzeit sogar noch weniger geht, als sonst - ich überhole also die Blechlawine mühelos per pedes.
Entlang dieser Strecke prangen - bei dem Verkehrsaufkommen durchaus sinnvoll - über ein Dutzend Mega Lights, und in den letzten Tagen waren alle bis auf eines belegt mit Werbung einer amerikanischen Eissorte, die dem Kunden dänische Provinienz vorgaukelt.
So weit, so gut. Das beworbene Produkt ist durchaus nebenan erhältlich, da macht sowas Sinn.
Aber damit nicht genug: Auf den City Lights in Bushaltestellen und auf Stadtplanrückseiten antwortet eine andere, amerikanische Eissorte (Key Visual: Kühe auf grüner Wiese, Hippie-Charme), mit beinahe ebenso großer optischer Dominanz.
Da ich letztere persönlich sehr gerne mag, weiß ich, wo man sie bekommt, aber von Verbreitung kann da eigentlich nicht geredet werden - wieso also derart flächendeckende Werbung, wenn die POS-Präsentation mehr oder weniger komplett fehlt?
Krieg der Eise?
PS: In der IT ist anlässlich eines Geburtstages tatsächlich eine weitere Tasse eingetroffen, folglich steigt die Notwendigkeit eines Berichts zu diesem Thema.
Belohnungen
Dienstag, 12. Mai 2009
Die Kollegen hüllen sich in ihre SKL-Badetücher, die heute morgen mit der Post kamen. Passend zum Wetter; nicht, dass sie sich gleich noch Liegestühle besorgen und sich auf den Balkon legen!
Das erfreuliche und überraschende Eintreffen der Waschware erspart es mir, einen Blogeintrag über die Tassensammlung der IT zu verfassen (es sei denn, dieser wird noch ausdrücklich gewünscht, dann reiche ich den Artikel gerne nach - passt bestimmt irgendwo ins Sommerloch, falls wir eins haben sollten).
Außerdem ein Grund zur Freude: Die Krimi-Couch ist für den Grimme-Online-Award 2009 in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" nominiert - Herzlichen Glückwunsch! Ich habe im Moment Übung im Daumen drücken, also mache ich einfach weiter damit, auch in diesem Sinne.
Schreibt's und schickt ein "Bis nächste Woche" hinterher.
Video, Audio, Disco!
Montag, 04. Mai 2009
Kurz den Staub vom kleinen Latinum geklopft und diese unglaubliche Headline erfunden. Es gilt fast im Sinne des Wortes: Video, wo immer man hinguckt.
So ging im April ein neues Kind der Literatur-Couchen online, die Kochbuch-Couch. Nachdem das Interviewen von bekannten Bestseller-Autoren für Krimi-Couch TV für uns schon fast Routine geworden war, führte Chefredakteur Hermann Cölfen diesmal ein Interview mit einem echten Maître fromager - und keiner des Teams würde diesen Drehtag beenden, ohne mit mehreren Laiben köstlichsten Camenberts und anderen Spezialitäten beladen zu sein.
Das Ergebnis finden Sie auf Kochbuch-Couch.de.
Aber auch im Bereich Krimi und Thriller wurden neue Türen aufgestoßen. In Zusammenarbeit mit b-productive entstand ein Video-Trailer für den Thriller "Schlangenhaus" von Sharon Bolton (Random House / Blanvalet). Unausweichliche Requisite: Eine Kornnatter. Wikipedia verrät: Ungiftig. Puh. Der Spannung tut dies jedoch keinen Abbruch. Wir sich davon überzeugen möchte, klickt hier.
Und auch die SKL setzt weiterhin auf den Zauber bewegter Bilder, wenn auch der Glücksspielstaatsvertrag eine Ausstrahlung der 5-Millionen-SKL-Show mit Günther Jauch im Fernsehen unmöglich macht. Schon zum zweiten Mal ging die Show als Stream durchs Netz. Da spart man sich ganz nebenbei auch noch die Werbeunterbrechungen.
Und es geht weiter. Auch "Audio" und "Disco" sind durchaus ein Thema, ich hörte da von einer Feierlichkeit - aber dazu in einem der kommenden Einträge mehr.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Bei den zeitspringern war in den letzten Tagen ganz schön Endspurt angesagt - wobei von Endspurt eigentlich nur die Rede sein kann, wenn man die Datumsgrenze hinzuzieht - in Wirklichkeit geht es 2009 im gleichen Tempo weiter.
Wirklich spannende Projekte, zum Beispiel unsere Online-Kampagne für einen Top-Titel des Oetinger-Verlags, für die wir mit sechseinhalb Kilogramm Trockeneis, verschiedenen Taschenlampen und Fackeln, schwarzen Pullovern und netten jungen Damen im Wald verschwanden ...
Zudem haben wir es geschafft, 3-2-1...go-Sieger Markus "Getty" Gettrup endlich seinen wohlverdienten Pokal zum Gesamtsieg zu überreichen.
Der Verfasser dieser Zeilen verabschiedet sich nun zur schwedischen Weihnacht. Köttbullar inklusive. Auf bald.
Old Peculier Crime Writing Festival
Ich oute mich an dieser Stelle gern als England-Fan. Sagen wir besser Freund, sonst denken bestimmt einige sofort an Fußball und ziehen seltsame Rückschlüsse - das soll nicht sein! Meine Heimatstadt Münster unterhält eine Städtepartnerschaft zur englischen Stadt York, wohin es mich daher schon zu Schulzeiten im Austausch verschlug - und nun, Jahre später, lag eben dieses York auf der Route nach Harrogate, einem kleinen Ort in Yorkshire, wo die Brauerei Theakston im altehrwürdigen Crown-Hotel ein Krimi-Festival ausrichtetete.
Zusammen mit Krimi-Couch-Chefredakteur Lars Schafft und einigen Kilogramm elektronischen Equipments, die mir auf dem Rückflug am Flughafen Manchester die Frage einbrachten, ob ich nicht auch zu diesem "belgischen Fußbalteam" gehöre, stattete ich dem beschaulichen Ort anlässlich dieses Festivals einen Besuch ab.
Unser Begehr: Interviews mit angesagten englischen Krimi-Autoren. Der erste auf unserer Liste: Colin Cotterill - sein Interview "Wo in Afrika liegt Laos" finden Sie in der September-Ausgabe der Krimi-Couch. Danach Peter James, der uns zum Interview mit auf sein Zimmer bat. Lars und Peter verabredeten sich direkt zur Opening Party auf ein (oder zwei) Kaltgetränke.
Vorher filmten wir noch ein wenig auf der Preisverleihung, wurden aber hinterher ebenso freundlich wie bestimmt darum gebeten, diese Aufnahmen nicht zu verwenden, na gut, dann hier halt in Textform: Das "Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year" 2008 stammt von der Debütautorin Stef Penney und heißt "The Tenderness of Wolves".
Auf der Opening Party lernten wir Martyn Waites kennen, und spontan landete er ebenfalls auf unserer Interviewliste für den nächsten Tag. Er war es auch, der uns behutsam das "Old Peculier" nahebrachte, ein sehr dunkles, süßes Bier - ich möchte fast sagen mit einer Torf-Note - vom Sponsor der Veranstaltung.
Der zweite Interviewtag barg Tücken! Bei Val McDermid gab es davon allerdings noch nichts zu spüren, einzig wollte sie um zehn Uhr morgens nicht gefilmt werden, also führten wir ein "klassisches" Radiointerview.
Dann jedoch Alan Guthrie. Lizzy, eine junge Dame vom Festivalteam, hatte alles versucht, um uns einen Raum für das Interview zu organisieren, aber leider war alles besetzt, also landeten wir auf einem Treppenabsatz. Sehr zum Missfallendes Hotel-Managers, der sich das ganze ein paar Minuten lang ansah und uns dann wutschnaubend auf die Straße setzen wollte. Sofort kam Lizzy hinzu gestürmt: "Ignore him, simply ignore him!"
Der scheinbar etwas cholerische Herr hatte, so stellte sich heraus, unseren Interviewpartner Herrn Guthrie am selben morgen bereits wegen einer versehentlich nicht bezahlten Tasse Kaffee aus dem Hotel werfen wollen ...
Die akkute Raumnot und die Spontanität der letzten beiden Autoren auf unserer Liste führte dann dazu, dass wir noch ein wirkliches Juwel mit nach Hause nehmen durften: Mark Billingham überredete Martyn Waites zu einem Doppelinterview auf seinem Zimmer, wo sich die beiden gegenseitig befragten - und beide haben Erfahrungen als Stand Up Comedian ... Also vormerken: Comedy auf der Krimi-Couch im Oktober :)
Eine gleichermaßen schöne wie erfolgreiche Interviewreise, mal sehen, aus welchen Hotels Lars und ich uns in Zukunft noch rauswerfen lassen.

